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Nerdrage V: Peinlich korrekt

Es ist nicht leicht zu schreiben. Es sieht vielleicht leicht aus, liest sich leicht oder ist leicht zu vergessen, aber schreiben selbst ist nicht leicht.

 

Es gilt unzählige Klippen zu umschiffen, gerade heutzutage. So reicht ein falscher Beitrag, ein falsch gewähltes Wort und schon ist man sexistisch, chauvinistisch, rassistisch oder irgendein anderer -Tisch. Die Wahl des veröffentlichenden Verlags oder der Publikation ist ein weiterer Fallstrick. BILD oder Spiegel, völlig egal. Beides Lügenpresse. Polygon oder Gamestar, unwichtig. Beides Schmierblätter. Es gilt also: Obacht was du schreibst, vorsicht wo du schreibst. Willst du Erfolg haben, wählst du unverbindliches. Am besten Themen die gerade ohnehin durch das allgemeine Bewusstsein geistern wie ein besoffener Onkel nach Weihnachten durch seine Wohnung. Man soll die Welle reiten, am besten mit Ecken und Kanten aber ohne wirklich anzustoßen. Eine Art progressive Prüderie betreiben. Komplett mit Biedermeyer Gesinnung und der Angst vor Fehltritten. Denn der korrekte Autor lebt in einer Wolfshöhle und das Rudel ist hungrig. Begierig darauf sich gegenseitig zu zerreißen um die eigene moralische Überlegenheit zu demonstrieren. Unerheblich wieviele grenzwertige Vokabeln verwendet werden um wenigstens ein bisschen nach Gonzo Journalist zu klingen, am Ende bleibt man ein Feigling. Was an sich nichts schlimmes ist. Viele Menschen sind feige. Man sollte sich nur nicht vormachen, dass Gott Feiglinge liebt.

“Kehre um, mein Sohn. Lass ab von deiner Pussyigkeit.”

 

Schreiben ist nicht leicht. Besonders problematisch wird es, wenn der einzige Daseinzweck im anpissen des Lesers liegt. Natürlich berauscht man sich dann an den aufgebrachten Kommentaren der Leserschaft und beglückt sich postwendend selbst aufgrund der eigenen Scharfsinnigkeit. Das man buchstäblich der einzigen Daseinberechtigung eines Autors respektlos gegenüber tritt ist hierbei zweitrangig. Hauptsache die Klicks und Kommentare fließen wie Wein. Dafür verkauft man seine Seele doch gern: Einsen und Nullen. Auf der anderen Seite stehen die Assgeier. Der größte Lump im ganzen Land. Der Journalist der Fehltritte aufdeckt die seiner Meinung nach die Steinigung verdienen. Wo der Clickbaiter wenigstens aktiv ein Köderthema sucht und verarbeitet, ergibt sich der Aufreger in Triaden über Twitter Aussagen, Interviews oder Casting Entscheidungen. Wichtige Themen sind ihm egal. Er dient nur der Leichtlebigkeit. Wo immer sich irgendwer abfällig über Frauen äussert oder rassistisch daher stottert ist der rasende Aufreger-Reporter zuhause. Wie ein Obdachloser Batman bringt er Gerechtigkeit zu jenen die nicht darum gebeten haben. Jeder argumentativer Gegenwind bestätigt diesen Typus nur noch mehr. Schließlich ist eine gegenteilige Meinung kaum von einer Morddrohung zu unterscheiden. Es geht beiden Beispielen nicht um ein Gespräch. Es geht nur um eine Mischung aus Selbstherrlichkeit und Überheblichkeit. Es gibt nicht genug Dächer zum runterspringen auf dieser Welt.

“Dein Hass bringt mir einen G-5”

 

Das alles ist nun mal so. Kein Problem damit, schließlich steht es jedem frei sein eigenes Leid zu kultivieren indem man betreffende Artikel liest. Eines jedoch stößt mir auf: Der Umstand, dass Autoren, die Worte wie “problematisch” “fragwürdig im politischen Sinne” oder ” alarmierend” in Gesinnungsorientierterter Art in ihren Wortgeschwüren nutzen, meist bewusst Themen behandeln die etweilige Gegenstimmen paraphrasieren und als Vertreter des behandelten Problems brandmarken. Diese “Bist du nicht Teil der Lösung, dann bist du Teil des Problems” Mentalität ist ein grassierendes Problem, welche zur Intellektuellen Beschneidung führt und schlussendlich nur in Elend enden kann. Vor allem ist es ein Umstand der sich in allen Bereichen der Journalistik beobachten lässt. Als wollte man teilhaben an einer weltverbesserenden Bewegung ohne Rücksicht auf Andere und unter Missachtung grundsätzlicher Umgangsformen. Schreiben soll unterhalten, im besten Fall etwas vermitteln oder nachvollziehbar machen. Schreiben ist nicht dazu da andere zum schweigen zu bringen, sondern zum sprechen.

 

Schreiben ist nicht leicht. Hauptsächlich weil einem oft die Finger vor Wut zittern.

Über BoB

BoB

BoB lebt in Bremerhaven unter einer Brücke zusammen mit einer Familie Waschbären, seiner Lektorin Somiaa und einem toten Junkie, Liebevoll “Uwe” genannt.

Alle beteiligten mögen: Lesen,Reiten und Lesen.

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Ein Kommentar

  1. KamiCheetah

    Was will man denn als Journalist heute noch richtig machen? Sobald man eine Position bezieht, fängt das Problem doch schon an. Es gibt vorallem im Netz keine differenzierte Auseinandersetzung mit Themen, in den meisten Fällen nur eine fatalistische Meinung, die von einem in den nächsten Shitstorm führt. Und dabei ist es ja sogar egal worum es geht. Links oder Rechts, Xbox oder Playstation, Konsole oder PC Gaming Master Race, und und und …
    Es fehlt irgendwie oft eine Mitte in den Diskussionen, alles was mir nicht gefällt ist erstmal grundsätzlich Scheiße.
    Ich denke das führt dazu das jeder versucht Artikel so gefällig wie möglich zu gestalten, bloß nicht anecken. Dafür ist es teils um so erfrischender wenn es Leute mit absicht machen.

    Was aber alles nicht heißen soll, das man seine Sorgfaltspflicht vernachlässigen sollte! Sonst kommt der gute Niggemeier aus seiner Höhle und haut dir den Presserat um die Ohren! 🙂

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