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Alle Augen auf mich: Bayonetta.

Ich hatte schon bei drei Gelegenheiten über Bayonetta geschrieben, insbesondere über ihre Wichtigkeit in der Spiele landschaft. Mit der Ankündigung des Bayo Bundles für die Switch im Februar sowie der Bestätigung des dritten Teils, bietet es sich an der Mistress of Misdemeanor einen Beitrag zu widmen. Shall we dance, boys?

 

Zuerst sollte man vielleicht klären, wie Bayonetta entstanden ist und ein wenig auf ihre Geschichte blicken. Bayonetta ist Platinums fortführung von Devil may Cry. Hideki Kamiya, seines Zeichens Twitter Rabauke, kreativer Springbrunnen und inoffizielles Sprachrohr von Platinum, hatte lange Zeit für Capcom gearbeitet, zusammen mit einem Großteil der heutigen Platinum Crew und Shinji Mikami (Gepriesen sei sein Name). Das Verhältnis mit Capcom endete mit bösem Blut. Bayonetta war ein Hieb in Richtung der DMC Nachfolger, um zu zeigen, wie Charakter Action auszusehen hat. Kamiya war von Mikami ermutigt worden einen Resident Evil “Nachfolger” zu kreiern und bekam freie Hand bei der Gestaltung. Die Folge war DMC und nebenbei die Entwicklung des Character Action Genres. Da Kamiya und sein Team: “Little Devils” kurz darauf von Capcom getrennt wurden, hatten sie keine Chance dieses neuentdeckte Genre tiefergehender zu erforschen. Capcom setzte ein neues Team an das Projekt “DMC”, was übrigens auch zum schlechten DMC2 führte, weil man einfach nicht wusste, WAS genau beim ersten Teil richtig gelaufen war. Dies ist übrigens der Grund, weshalb Bayonetta vom Team “Little Angels” gemacht wurde. Bayonetta 1 war für Platinum insofern wichtig, als das Ihnen vollständige kreative Kontrolle gewährt wurde, allerdings erst nach einigen Auseinandersetzungen mit dem Publisher Sega. Sega wollte z.b. nicht, dass Bayonetta eine Brille trägt, weil Brillenträger sich negativ auf die Verkaufszahlen auswirken, wenn sie auf der Produkthülle repräsentiert werden ( Wie auch immer sowas berechnet wird. Dr. Kamashimas Gehirn Jogging hat sich schließlich auch verkauft ). Jedenfalls nickte Kamiya artig, ging dann zurück ins Büro und setzte jedem Charakter im Spiel eine Brille auf. Bayonetta basiert zu großen Teilen auf Trotz und Frust. Zu Bayonetta selbst, sagte Kamiya, dass er viel im Internet surfte um Inspiration für ihre Bewegungen und ihre Attitüde zu finden. Zumeist tat er dies unbeobachtet und mit hoch rotem Kopf, weil das benötigte Material hauptsächlich auf fragwürdigen Seiten zu betrachten war. Anschließend castete man eine enorm talentierte Tänzerin für das Motion Capturing. Hier tritt nun ein enorm wichtiger Aspekt von Bayonetta in Erscheinung: Die professionelle Stangentänzerin hat in ihren Bewegungen völlig selbstverständlich ihren Berufsethos einfliessen lassen, dieser basiert darauf das Publikum zwar zu stimulieren aber zu jederzeit die Kontrolle und Dominanz zu bewahren. Diese Grundlage formt natürlich den Spielecharakter und definiert ihn. Die Figur Bayonetta ist kein Objekt sondern das dominierende Subjekt in jeder Einstellung und Szene. Platinum wurde bewusst, dass die Verschmelzung von Fanservice und weiblicher Überlegenheit eine ideale, moderne Sichtweise auf eine Überlebensgroße Heldin bietet.

 

Diesem subtilen Ansatz hat Bayonetta ihre große weibliche Fangemeinde zu verdanken. Wie ich bereits an anderer Stelle schrieb: Bayonetta ist ein Raubtier und keine Love interest. Die Motive des ersten Teils sind hierbei eher mütterlich, wobei Bayonetta über weite Teile als Mutter agiert. Dies passiert aber nicht auf klassische Art, sondern bietet einen tieferen, realeren Ansatz. Die “Tochter” des Spiels ist die 6-jährige Version von Bayonetta selbst. Man könnte also hier durchaus in der Meta spekulieren, dass das Mutterdasein immer eine Aufarbeitung der eigenen Kindheit ist und die bewusste Entscheidung fordert, wie man sich selbst auf das Leben vorbereiten will. Das Bayonetta dazu noch sexuell und physisch dominant wirkt, ist ein fantastischer Blick auf veraltete Definitionen weiblicher Charakteristika. Die Vorwürfe, dass Bayonetta frauenfeindlich, objektiviert oder reduzierend sei, sind nicht nur faul, sondern an der Grenze zur intellektuellen Impotenz.

 

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Vorgeschichte des ersten Teils, ohne sich vollständig als Prequel zu begreifen. Innerhalb der Geschichte geht es nun, interessanterweise, um eine Vater-Tochter Dynamik. Die Rollen werden also vertauscht und nebenbei wird auch die Definition von Gut und Böse hinterfragt. Bayonetta bietet sehr viel mehr, als so mancher zu sehen gewillt ist, während es zeitgleich geradezu perfekte Character Action Mechaniken bietet, ohne in die Falle repetitiver Combosysteme zu tappen. Hier wird gezeigt, wie eine einfache aber vielschichtige Handlung in einem grundsoliden Gameplay eingebettet werden kann. Ebenso bemerkenswert ist das Design der Hauptfiguren, welches extrem Au Couture anmutet. Sei es der albino Pfau der dem Schurken Balder als Schal dient oder die hautengen Ornament Jumpsuits von Bayonetta. Das Spiel atmet Stil und Klasse. Ebenso bestechend ist der Soundtrack, welcher ein Swing oder Folk Thema nimmt und passend dazu eine Dramaturgie komponiert.

 

Der 3 Teil kann nun in mehrere Richtungen gehen. Im Trailer sahen wir bereits, dass Bayonetta sich mit einem Feind anlegt der ihr offensichtlich überlegen ist und ihr in der letzten Szene sogar beide Beine abschlägt. Dies könnte nun eine Bayonetta zeigen, die auf schwerste Verletzungen reagieren muss und möglicherweise das erstemal innerhalb der Reihe an ihre Grenzen kommt. Die Demontage und der unvermeidliche Wiederaufstieg des Charakters könnte einen faszinierenden Konterpunkt zu den vorherigen Titeln bilden. Man denke an MGS Revengance und das erste Treffen mit Jetstream Sam. Ein ähnlich dramatisches Vorgehen würde den dritten Teil wahrlich gut zu Gesicht stehen. Was besonders interessant wird, ist der Vergleich mit DMC V. Devil may Cry hat sich über die Jahre zu einer Combo Maschine entwickelt, während Bayonetta auf ein variantenreiches und dynamisches Kampf + Counter Grundgerüst setzt. Bis jetzt ging Bayonetta in Vergleichen gegenüber DMC als Sieger hervor, ob das so bleibt, wird sich mit Release der beiden Titel zeigen.

 

Lange Rede, kurzer Sinn.
Dieser Beitrag wäre auch mit drei Worten ausgekommen:

 

Bayonetta 3? DAY ONE.

 

Über BoB

BoB

BoB lebt in Bremerhaven unter einer Brücke zusammen mit einer Familie Waschbären, seiner Lektorin Somiaa und einem toten Junkie, Liebevoll “Uwe” genannt.

Alle beteiligten mögen: Lesen,Reiten und Lesen.

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2 Kommentare

  1. Flashpinguin

    Ich behaupte immernoch man kann Bayonetta 2 austauschbar als Sequel oder Prequel sehen, je nachdem ob man von der Perspektive von Bayonetta oder Balder ausgeht. Eine geniale Idee, über die ich heute noch manchmal nachdenke, wie man sie in anderen Geschichten einbringen könnte.

    • BoB

      Besonders wenn man in der Presse immerzu liest das Platinum zwar gute Spiele macht aber schlechte Handlungen. Ist so ein bisschen die Problematik die wir im letzten BuB Podcast angesprochen haben, dass es eine westliche narrative in Bezug auf japanische Software gibt in Hinblick auf deren Storytelling, welches dann als zu konvulut oder absurd abgetan wird ohne vielleicht mal die unterschiedlichen Ansätze für das erzählen einer Geschichte in betracht zu ziehen. Das wird Schubladendenken promotet.

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