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Der Handheld. Eine Lobpreisung

Wer glaubt, dass die Überschrift auf eine detaillierte Abhandlungen über das Thema “Onanie” hinweist, wird enttäuscht werden.

Ich weiß, ich weiß. Sehr enttäuschend.

 

Nachdem ich jüngst Doom auf der Switch durchspielte, hungert es mich nach ähnlichen Erfahrungen. Derowegen stehe ich nun, trotz anfänglicher Skepsis, kurz davor mir Skyrim erneut zu kaufen, zusammen mit dem ebenfalls betagten L.A Noire. Dieses Verlangen peinigt mich, obschon ich WEIß, dass Noire mir spätestens ab der Versetzung in das Sitten Dezernat keine Freude mehr machen wird…und doch ist da dieser Hunger. Erst mit dem Doom Port wurde mir deutlich welche Möglichkeiten diesem Handheld Hybriden offenstehen. Natürlich, der Reiz vom AAA on the go war mir beim Kauf bewusst und Zelda, sowie Mario waren beeindruckende Beispiele für das Potenzial der Konsole, jedoch bedurfte es den Doom Marine um diese Erkenntnis zu einer Epiphanie auszuweiten. Mit Kopfhörern bewaffnet, konnte ich mich selbst in stressigen, lauten Umgebungen vollständig im Spiel involvieren. Das klingt jetzt natürlich wie jemand, der weder mitbekommen, dass der GameBoy veröffentlicht wurde, noch dem GameGear viel Beachtung geschenkt hatte. Lass dir versichern, werter Leser, dem ist nicht so. Was die Erfahrung so prägnant macht, ist diese Neuentdeckung eines abgeschriebenen Konzepts. Handhelds sind in meinem Kopf mit kindlichen Erinnerungen verbunden, und als solche wurden sie in der “Nicht deinem Alter gemäß” Schublade zwischen gelagert. Das geschah nicht mal bewusst, mir ist es offensichtlich gleichgültig wie ein mitdreißig jähriger Familienvater sich Gesellschaftlich zu benehmen hat, sonst würde man hier kein Beitrag lesen, sondern einen Rentenplan. Dennoch hatte ich mich mental weit vom Handheld entfernt, wie es aber einem Helden zu eigen ist, egal ob Hand oder Super, wartete er im Schatten, bereit zu helfen wenn er gebraucht würde.

Genau der Held den diese Stadt verdient.

Die letzten Jahre boten nur karge Freuden, jedenfalls im Bereich des Hobbies. Große Titel wurden durchgehetzt, die Zeit war knapp und musste genutzt werden. Der Spaß war ein kurzweiliger, flüchtiger ohne Befriedigung. Mein Mantra “56 Spiele Pro Jahr durchspielen”, welches ich mir nach meiner ersten Anstellung mit 17 selbst auferlegte, brach meiner Freude 13 Jahre später fast das Genick. Tempus Fugit. Die WiiU bot mit ihrem Off TV Feature einen Kaufgrund, jedoch mangelte es an einer umfassenden Bibliothek. Dann kam die Switch. Während die XboxOne in ihrer Krypta ruht, nur gelegentlich aus dem Koma geweckt von Killer Instinct, GoW oder dem aktuellen Game with Gold Titel, hat sich die Switch zu einem rastlosen Krieger entwickelt. Jeden Tag gibt es etwas zu erledigen, jede Woche landen neue Titel im Shop oder bereits gekaufte Spiele erhalten ein kostenloses Content Update. Ich kann soviel spielen wie seit Jahren nicht, nur um zu bemerken, dass der Hasenbau immer tiefer geht.

Dies scheint kein Einzelfall. Nicht umsonst nähren wir uns der 9 Millionen Grenze, wenn es um verkaufte Geräte geht und sprechen von einem Indie Goldfieber auf der Switch. Es steht ausser Frage, dass mit Mario Odyssee der Prognose von 16 Millionen Verkäufen bis zum März 2018 nichts im Wege steht. Ebenso ist die Erhöhung dieser Einschätzung auf 25 Millionen bis zum Anfang 2019 eine beinahe konservativ anmutende. Einer der Gründe weswegen ich von einem Ersetzen des 3DS sprach, liegt in genau diesem Umstand. Dem ausklingen des 3DS Software Stroms geht ein gedanklicher Wandel voraus, welcher den 3DS als Handheld durch die Switch ersetzt. Natürlich bleibt der 3DS eine hervorragende Einstiegsdroge für Kinder, aber Handheld Gaming ist bereits jetzt in einem immer stärker werdenden Griff der Switch. Doom war für mich der Faustschlag, der zementierte, dass Videospiele neue Bereiche des Lebens invasieren können, auch ausserhalb von Handyspielen. Jetzt findet sich natürlich immer jemand, der die Grafik beklagt oder dem 30FPS zu wenig sind. Das kann man mir auch gern alles mitteilen, während ich beim Zahnarzt im Wartezimmer sitze und langsam und unauffällig meine Kopfhörer in die Ohren schiebe. Die Kritik ist erstaunlich kraftlos, wenn ich zeitgleich einen Mancubus mit der Kettensäge aufschneide.

Allein der Anblick dieses unaufgesägten Bauches macht mich rasend.

 

Nach Doom ist der Wolfenstein II Port ein Muss geworden, besonders in Hinblick auf den wegrationalisierten Region Lock. Ich hatte bereits in einem früheren Beitrag über die Switch im Alltag gesprochen, jedoch haben diese neuen, alten Ports mir etwas eröffnet: 1. Studios wie EA werden die Konsole meiden, wegen dem erhöhten Aufwand einer Portierung und dem Mangel an Kundschaft für ihre Art Software. Die FIFA 18 Verkaufzahlen lassen erahnen, dass EA enttäuscht ist. Natürlich sucht man die Schuld dafür überall, ausser bei sich selbst. So mangelte es an Verkaufsversionen im Einzelhandel in Kernländern wie England und Frankreich, dazu wurde dem Port ein mehr als bedauerlicher Online Modus hinzugefügt, was bei einem FIFA natürlich taktisch unklug ist. Dies führte zu der sinngemäßen Aussage, dass EA von weiteren Veröffentlichungen für die Switch bis zu einem späteren Zeitpunkt absieht. Dies kann man nun auf zwei Arten bewerten: Weniger Spiele für die Plattform ODER weniger EA Spiele für die Plattform. Ich tendiere zur Aussage Nummer 2 und komme erstaunlich untraumatisiert zu dieser Erkenntnis, denn : 2. Studios die für die Switch entwickeln bzw. portieren tun dies, durch den EA wegfall, in einem Konkurrenz ärmeren Ökosystem. Die Doom und Skyrim verkaufszahlen, welche zum jetzigen Zeitpunkt zwar wage aber positiv sind, deuten auf eine Kaufbereitschaft hin. Nicht umsonst ist das Konsole/Spiel Verhältnis in Bezug auf Vollpreis Titel bei 1:2,26. Dies klingt nicht nach Viel, vergleicht man diese aber mit den Xbox und PS4 Zahlen in ihrem vierten Jahr( Xbox 1:7,58. PS4 1:7,11) lässt sich Spielraum entdecken. Ich spekuliere an dieser Stelle einmal basierend auf der Aussage von Square Enix, diese ließen verlauten, dass die Switch ideal für Veröffentlichungen im mittleren Kostensegment wäre. Meine Spekulation: Größere Studios werden weitere Portierungen produzieren, wahnsinnige Erkenntnis, aber hier kommt der Catch: Der mittlere Markt, oder AA wenn man möchte, wird spätestens 2019 seinen Fokus primär auf die Switch legen. Warum? Die Switchkunden haben sich als sehr Zahlungswillig erwiesen, ein Blick auf die Eshop Verkaufscharts lässt erahnen, dass nur wenige ein Problem mit dem Zahlen eines Vollpreises für ältere oder , anderenorts, günstigere Spiele haben. Einzig Microtransactionen sind auf der Switch unbeliebt. Ein weiteres Plus für einen mittleren Markt, welche erfahrungsgemäß eher Singleplayer Titel liefert. Neben dem bereits erwähnten Konkurrenz ärmeren Umfeld, liefert aber vor allem ein Indiz Basis für diese Spekulation: Die Verkäufe der letzten Acht Monate lassen vermuten, dass der durchschnittliche Switch Spieler experimentellen Titeln viel Vertrauen vorschiesst. Das beliebte Stardew Valley hat sich offensichtlich hervorragend verkauft, aber auch kleinere, nischigere Titel werden erworben. So hatte sich The Flame in the Flood besser verkauft als auf allen anderen Plattformen zusammen. Jedenfalls wenn man den Entwicklern glauben möchte. Dies bietet eine Chance auf einen florierenden, innovativen mittleren Markt und somit eine Rückkehr zum Kern des Mediums: Spiele die Spiele sind, und kein Abklatsch von Filmen. Es wird zu oft übersehen, dass der Citizen Kane der Videospiele seine Verwirklichung schon in Titeln wie Zelda, Chrono Trigger, System Shock oder Loom fand und nicht in Fahrenheit oder Life is Strange.

 

Kino ist eh zu teuer.

 

Es zeigt sich, dass die letzten Jahren für Nintendo eine Evolution waren an dessen Ende die Switch steht. Mit der Aussicht auf eine fantastische Lebenszeit und der Chance auf eine vierte Welle der industriellen Revitalisierung.

 

Dies Alles ratterte mir durch das Hirn nach dem Abschluss von Doom. Daher: Danke, Doom. Du gibst mir Hoffnung für eine Zukunft des Hobbies ohne Abzocke und Stagnation….und das für nur 59€, aber irgendwas ist ja immer.

 

Über BoB

BoB
BoB lebt in Bremerhaven unter einer Brücke zusammen mit einer Familie Waschbären, seiner Lektorin Somiaa und einem toten Junkie, Liebevoll "Uwe" genannt. Alle beteiligten mögen: Lesen,Reiten und Lesen.

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7 Kommentare

  1. V.K.

    Kann es sein das du dich Nachts als dicker britischer Journalist verkleidest und Youtube Videos machst?

    https://www.youtube.com/watch?v=0PfpW8Uc8Nk

    “Mein Mantra “56 Spiele Pro Jahr durchspielen”, welches ich mir nach meiner ersten Anstellung mit 17 selbst auferlegte, brach meiner Freude 13 Jahre später fast das Genick.” – I feel ya braw. Sollte ich es im nächsten Jahr schaffen meine Kaufsucht von Rougelikes in den Griff zu bekommen hoffe ich das ich das Medium wieder mehr genießen kann. Vielleicht ist dann auch wieder Platz für eine Switch jetzt wo Steam bald vor Indies überquillt. Mal sehen wie Metroid 4 wird ;).

    • bababa

      “als dicker britischer Journalist verkleidest” eins davon ist keine Verkleidung.

      <3

    • BoB

      Die schiefen Zähne, die riesen Ohren und die nasale Aussprache sind echt!

      P.S. Ich bin nicht dick, nur sehr anfällig für die Schwerkraft!

      Rougelite/likes sind auch mein Fluch. Neben HBH, BoI und Enter the Gungeon kommt noch Darkest Dungeon für die Switch…ich werde für immer Variationen des Selben Spiels spielen.

  2. Crypto

    Ich hab ja so Bock drauf. Aber nicht wegen Mario oder Zelda, sondern wegen Octopath Traveler. Das sieht so super aus. Und alles mobil zocken!

  3. Serilas

    Ich habe mir letztens dann doch noch Skyrim für Switch geholt.

    Denn das Beste an der Switch ist imo das ich sie im Bett spielen kann. Und wenn ich irgendwann in meinem Leben noch mal Skyrim durchspielen werde, dann nachts im Bett, anstatt wie ein funktionierendes Mitglied der Gesellschaft zu schlafen.

    • BoB

      That’s the spirit!
      Ich starre gerade WWE, Slain und Sexy Brutale an, in dem Versuch NICHT 90€ auszugeben. Vermutlich vergeblich. Bei Skyrim wirds ähnlich enden.

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