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Battle Chasers: Nightwar – Review: Ein spielbares JRPG-Comicbuch

Erst kam Battle Chasers, dann Darksiders und jetzt wieder Battle Chasers. Joe Madureira kehrt mit seinem neuen Studio Airship Syndicate zurück zu seiner in den 90-er Jahre geborenen Comic-Reihe. Einst von Final Fantasy und co. geprägt, setzt Battle Chasers: Nightwar vollkommen bewusst auf klassische JRPG-Tugenden. 

Ein junges Mädchen, ein sich im Kampf erprobter Krieger, ein riesiger Roboter, ein alter Magier und eine zwielichtige, rothaarige Schurkin: Auf dem ersten Blick mag die Heldentruppe von Battle Chasers: Nightwar sehr klassisch ausfallen. Klar ist also: Der Roboter ist der Beschützer des Mädchens, der Krieger schlägt mit einem riesigen Schwert zu und Heilung gibt es vom in die Jahre gekommenen Zauberer. Entwickler Airship Syndicate weiß jedoch schnell gängige Klischees zumindest zum Teil zu widerlegen: Das junge Mädchen beispielsweise hört auf den Namen Gully und trägt solch mächtige Handschuhe, dass sie sowohl ganz gut austeilen, als auch einstecken kann. Von wegen scheues Mauerblümchen. Kriegsgolem Calibretto hingegen sieht aus wieder geborene Tank einer Rollenspieltruppe, ist aber in Wahrheit ein Heiler, der sich lieber der Natur widmen würde.

Stattdessen aber begleitet er die bunte Truppe auf der Suche nach Gullys Vater, dem legendären Helden Aramus, der eines Tages spurlos verschwunden ist, als auf einer geheimen Mission war. Also auf ins Luftschiff und Kurs Richtung mysteriöse Insel, auf der vor allem die Ressource Mana in rauen Mengen existieren soll. Das gefällt natürlich nicht jedem, weshalb kurz vor der Ankunft Piraten den Heldentransport angreifen, die fünf tapferen Recken sich aufteilen und es nun an uns liegt, die Mitglieder wiederzuvereinen. Und als wäre das nicht schon Arbeit genug, wird schnell klar, dass es auf der Insel nicht mit rechten Dingen zugeht.

Eine allzu wendungsreiche und spannende Geschichte bietet Battle Chasers: Nightwar aber trotz schicker Comic-Zwischensequenzen im Endeffekt nicht. Zudem sind nicht alle Dialoge vertont, viele der Nebenquests werden als stumme Dialoge präsentiert. Nichtsdestotrotz dient die Handlung als funktionierender roter Faden, der uns durch die drei Spielebenen von Battle Chasers: Nightwar führt.

Weltkarte, Erkundung, Dungeon

Ebene 1 ist die Weltkarte, auf der wir unsere Heldentruppe, die maximal aus drei Charakteren gleichzeitig bestehen kann, fortbewegen. Von Knotenpunkt zu Knotenpunkt geht es vorbei an Gegnern, Rohstoffen, kleinen Dörfchen in denen wir Handeln und Nebenquests annehmen können und immer auf der Suche nach dem nächsten Erkundungsbereich oder Dungeon.

Beide Ebenen versetzen die Spielwelt in die dritte Dimension und erlauben uns die Gegend wie bei einem klassischen Dungeon-Crawler zu entdecken. Die Erkundungsbereiche bieten selten mal Gegner, dafür aber hin und wieder ein paar Rätsel oder Kisten, die neue Beute bereithalten. Die Dungeons sind hingegen das Herzstück der Dreiteilung und bieten uns zu Beginn die Auswahl zwischen zwei Schwierigkeitsgraden, sobald wir den Dungeon geschafft haben, kommt noch ein dritter dazu. In den teilweise zufallsgenerierten Gegenden geht es zu wie im Erkundungsbereich, nur dass hier reihenweise Gegner warten und wir uns durch mehrere Segmente bis hin zu einem Endboss, der noch einmal besonders knackig ist, vorarbeiten. Zwischendurch gilt es Fallen auszuweichen, Informationen mithilfe von Journalen und Tagebucheinträgen zu sammeln und – wer hätte es gedacht – Kisten zu öffnen.

Auffällig: Obwohl wir als Trio unterwegs sind, steuern wir immer nur einen Charakter gleichzeitig. Praktisch: Zwischen unseren Helden können wir jederzeit hin- und herwechseln und auf ihre Dungeontalente zurückgreifen. Golem Calibretto kann zum Beispiel außerhalb des Kampfes eine Gruppenheilung wirken, die nur leicht bekleidete Rote Monika in Verstohlenheit schleichen oder Gully ihre Handschuhe dafür nutzen, um Geheimgänge offenzulegen. Unendlich lang ist das nicht möglich, denn die Fähigkeiten sind in ihren Aufladungen begrenzt. Ist der Vorrat aufgebraucht, muss ein Nickerchen im Gasthaus folgen, ansonsten bleiben die Talente brach liegen.

Kämpfe mit Kraft

Sobald wir irgendwo auf einer der Ebenen auf einen Gegner treffen, wechselt Battle Chasers: Nightwar zum Kampfbildschirm, der Fans von klassischen JRPG-Spielen wie Final Fantasy gut gefallen dürfte. Statt Echtzeitgekloppe setzt das Comic-Spiel auf rundenbasierte Kämpfe, die mit zunehmender Spieldauer immer fordernder und taktischer werden. Auf der linken Seite im Bildschirm befindet sich immer unsere Heldentruppe, auf der rechten Seite die Armee des Feindes, die ebenfalls maximal aus drei Gegnern gleichzeitig bestehen kann. Selten gibt es jedoch Kämpfe, bei denen uns gleich mehrere Wellen ans Leder wollen.

Wer im Kampf anfängt, richtet sich nach einem Initiative-System und dem Eilewert des jeweiligen Charakters. An der linken Seite ist zudem ein Balken einsehbar, der anzeigt, wann welcher Charakter an der Reihe ist. Die Anzeige ist voll dynamisch und zeigt uns sogar schon bei Auswahl der Fähigkeit an, wann denn unser Zug stattfinden würde, wodurch taktische Finessen zu Tragen kommen. Soll ich wirklich den großen Heilzauber nehmen und riskieren, dass mein angeschlagener Charakter eventuell bis dahin schon Geschichte ist, oder aber setze ich auf eine kleine Sofortheilung? Battle Chasers – Nightwar unterscheidet nämlich zwischen sofort ausführbaren Fähigkeiten, die kein Mana kosten und Kraftreserven freisetzen, und Spezialfähigkeiten, die wiederum Mana kosten und deren Ausführung ein wenig Zeit in Anspruch nimmt. Es gilt demnach möglichst vorausschauend zu handeln und nicht nur zu reagieren.

Apropos Mana: Davon steht jedem Charakter nur ein kleiner bis mittelgroßer Pool zur Verfügung und lässt sich nur klassisch mithilfe von Tränken, im Gasthaus oder aber beim Levelaufstieg wieder auffüllen. Da jede Spezialattacke entsprechend viel Mana kostet, könnte das in längeren Kämpfen schnell zu einem Problem werden. Hier kommen nun die eben erwähnten Kraftreserven zum Einsatz: Alle Standardfähigkeiten schenken unserem Charakter eine temporäre Mana-Erweiterung namens Kraft, die ebenfalls für die großen Attacken genutzt werden können. Je mehr normale Angriffe wir ausführen, desto mehr vom kostenlosen Manaersatz erhalten wir – allerdings nur in diesem Kampf. Sobald dieser vorbei ist, verschwinden die Kraftreserven wieder und müssen im nächsten Gefecht wieder aufgeladen werden. Ein ständiges Horten von überschüssiger Kraft ist nicht möglich.

Das sorgt schlussendlich für taktische Entscheidungen, die vor allem in Bosskämpfen zum Einsatz kommen: Lieber Standardangriffe, die weniger Schaden machen, dafür aber sofort ausgeführt werden und kein Mana kosten, oder aber eine schwere Spezialattacke, die Mana kostet und für die Aufladung ein wenig Zeit benötigt? Letzteres ermöglicht den Gegnern öfters zum Zug zu kommen und das kann fatal enden, wenn etwa der Gegner besonders schwere Angriffe ausübt und schwächelnde Gruppenmitglieder favorisiert. Das Motto “Einfach draufhauen” ist demnach selten erfolgsversprechend.

Motivierende Rollenspielspirale

Die Schlachten kombiniert mit den taktischen Feinheiten, dem ständigen Abwägen und vor allem dem stetig steigenden Schwierigkeitsgrad, sorgen für ein spannendes Treiben. Wirkt das System anfangs noch etwas simpel, gibt es hinten hinaus immer mehr Tiefgang, je mehr Fähigkeiten und unterschiedliche Charaktere wir erhalten. Ab einem bestimmten Punkten schalten wir zudem die Superkräfte frei, die im Kampf noch einmal besonders schick inszeniert werden und entsprechend mächtig ausfallen. Da die gesamte Truppe aber nur über einen aufladbaren Superbalken verfügt, muss auch hier wieder ständig zwischen dem Für und Wider abgewogen werden.

Nach jedem Kampf folgt das klassische Rollenspiel 1×1: Es gibt Erfahrungspunkte und Beute. Zwar ist Letzteres nicht ganz so sehr ein Motivationsfaktor wie in Diablo 3 oder anderen Action-Rollenspielen, aber die Hatz nach immer besserer Ausrüstung greift in Battle Chasers: Nightwar trotzdem. Erfahrung hingegen lässt unsere Charaktere im Level steigen, wodurch neue Fähigkeiten automatisch freigeschaltet werden. Lediglich im Vorteils-System, einer Art zweiteiligen Talentbaum, können wir unterschiedliche Attributsverbesserungen festlegen. Sehr schön: Die Punkte lassen sich jederzeit frei umverteilen ohne einen Nachteil davon zu tragen. Dadurch lassen sich vor einem Bosskampf noch letzte Änderungen vornehmen, die eventuell über Sieg oder Niederlage entscheiden.

Da wären wir übrigens beim Hauptmotivator von Battle Chasers: Nightwar. Das unterhaltsame Kampfsystem, welches sich vor allem in den Bosskämpfen voll entfaltet, gemischt mit den typischen Rollenspielfaktoren sorgt dafür, dass man ständig am Ball bleibt. Die Geschichte rückt dabei jedoch ein Stück weit in den Hintergrund, während nach und nach ein bemerkbarer Grindingfaktor hervortritt. Ab circa zu Beginn der Mitte des Spiels ziehen die Entwickler den Schwierigkeitsgrad wie aus dem Nichts deutlich an und selbst Standardgegner werden zu einer echten Lebensgefahr, die uns mit ein-zwei Schlägen ausschalten. Der Tod der gesamten Heldentruppe kostet dann entsprechend viel Gold, von dem es nicht so viel gibt, und eine Schnellspeicherfunktion gibt es auch nicht. Wer nicht weiter kommt, muss zwangsläufig noch einmal frühere Dungeons auf dem legendären Schwierigkeitsgrad wiederholen, ein paar Erkundungsebenen durchlaufen oder aber auf Weltkarte sich mit Gegnern anlegen, um im Level weiteraufzusteigen.

Ergänzend und empfehlenswert ist es, die Ausrüstung ständig auf dem aktuellen Stand zu halten. Dies beruht entweder auf Lootglück oder aber man nutzt das Crafting-System, um sich neue Rüstungen, Waffen, Schmuckstücke oder Verzauberungen herzustellen. Etwas nervig: Die entsprechenden Werkbänke gibt es zumeist nur in Dungeons und das Spiel verrät euch mit keiner Silbe, wo ihr welche Ressourcen findet. Immerhin könnt ihr fehlende Ressourcen mit anderen Rohstoffen ausgleichen und seid nicht sofort aufgeschmissen.

Kunst von Joe Madureira

Ebenfalls motivierend ist das grundsätzliche Artdesign, welches aus den Fingern von Joe Madureira stammt. Logisch, schließlich ist es ja auch seine Comicbuchreihe, die einst in den 90-iger Jahren durchaus für kurzes Aufsehen gesorgt hat. Selbst wer die nicht kennt, wird zumindest ein ganzes Stück Darksiders wiedererkennen. Egal in welcher Ebene man sich befindet: Battle Chasers: Nightwar sieht richtig gut aus, punktet mit stimmigen Farben-, Licht- und Schattenspielen und sticht in den Charakterzeichnungen und Comic-Zwischensequenzen noch einmal so richtig heraus. Schlichtweg ein Spiel, welches man sich gerne ansieht, obwohl es rein technisch nicht in der obersten Liga spielt.

Fazit

Normalerweise bin ich ja kein allzu großer Fan der klassischen Rollenspielkost aus Japan und eigentlich setze ich auch sehr viel Wert bei einem Rollenspiel auf die Geschichte. Beides bietet Battle Chasers: Nightwar nicht, womit es sich auf dem Blatt Papier für meinen Geschmack disqualifiziert. Die Praxis beweist jedoch das Gegenteil: Dank Artstyle, toller Charaktere und einem motivierenden Kampf- und Rollenspielsystem weiß Battle Chasers: Nightwar auch mich zu begeistern.

Die taktischen Entscheidungen, die vom Kraftsystem sehr profitieren, und der zumeist recht anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad sorgen dafür, dass ich mit absoluter Freunde meine Zeit mit der Spielwelt verbringe. Zudem muss ich die Entwickler dafür loben, dass sie hier und da ein paar Fantasy-Konventionen auslassen. Nur beim Balancing muss dringend noch gefeilt werden. Wer allerdings kein Problem mit ein bisschen Grinding hat und vor allem die spielmechanische Seite der früheren JRPGs mag, der sollte Battle Chasers: Nightwar dringend einen Besuch abstatten.

Battle Chasers: Nightwar

Wertung von Razyl - 8

8

Sehr gut

Faszinierendes Rollenspiel der japanischen Art, welches vor allem mit seinem Artdesign und seinem Kampfsystem punktet. Die Geschichte tropft hingegen nur so vor sich hin.

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Über Razyl

Razyl
1993 auf der wunderbaren Map "Krankenhaus" aufgetaucht und von Kindestagen an der irrwitzigen Welt der Videospiele erlegen. Abgesehen von typischen Adventures fühle ich mich fast in jedem Genre zuhause. Und trotz einer PlayStation 4 im Hause bleibt der PC die favorisierte Spieleplattform. Musikalisch tendiere ich ziemlich eindeutig zu (Deutsch-)Rap. Als nicht-so-großer-Fan der passiven Unterhaltungsform bevorzuge ich Sitcoms (Scrubs, Modern Family, Entourage, How I Met Your Mother) oder gebe ich mich hin und wieder einem E-Book hin.

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Ein Kommentar

  1. Schönes Review und es fast das Spiel recht gut zusammen. Wer JRPGs mag und das Artdesign mag sollte es sich wirklich anschauen. Die Story ist (leider) eher mittelmäßig, aber es macht Spaß 😉

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