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Der Teufel steckt im Detail….und im ganzen Rest.

Es ist nicht leicht ein böses Imperium zu beherrschen. Ständig liegen dir irgendwelche Pisser mit ihren Sorgen in den Ohren. “Meine Familie hungert, Herr.” “Könntet ihr die eiserne Jungfrau vielleicht heute einen Spalt auflassen, Herr?” “Ich kann mir den Season Pass nicht leisten, Herr.” Und Du, als Imperator ex Deo, musst so tun als hätte dies für dich Bedeutung.

“Gebt ihnen Kuchen…mit Rasierklingen.”

Dabei könnte es so einfach sein. Warum nicht einfach mal hinnehmen, dass ein DLC mehr als 30€ kostet? Warum gleich auf Facebook und Twitter protestieren, nur weil man für den Season Pass eine zweite Hypotheke aufnehmen muss? Einfach mal Brieftasche öffnen, nach vorne beugen und anschließend “Danke” sagen. Kann doch nicht so schwer sein?! Da sitzt man, nichts böses ahnend, auf seinen Thron aus Gold, nur um sich vor Bauern zu rechtfertigen. Natürlich ist die DLC Kampagne schon auf der Blu-ray. Seh ich aus wie Krösus? Wächst mir ein verdammtes Kornfeld in der Hand? Server kosten Geld! Da pack ich den Zusatz Inhalt doch lieber schonmal auf den Datenträger, um dir, dämlicher Saftsack von Kunde, Zeit zu sparen. Der Dank ist dann ein Boykott. Glücklicherweise haben unsere Kunden die Impulskontrolle eines Frettchens. Manchmal blicke ich herab von meinem schwarzen Turm der Macht und reflektiere über vergangene Bilanzen. Nachdem ich dann abgespritzt habe, wende ich mich erneut dem Geschäften zu. Ich durchstöbere Krankenakten auf der Suche nach möglichst fatalen Fällen und setze diese Mitarbeiter (mit auslaufenden Verfallsdatum) in das Team unseres aktuellsten Megahits.   Publicity schafft sich schließlich nicht von allein. Danach gehe ich die Briefe der “Make a Wish”-Foundation durch und wähle das hässlichste Kind aus, um einen Trashmob nach seinem Ebenbild zu designen. Menschlichkeit wird in meiner Branche klein und falsch geschrieben. Ich möchte mich nicht selber loben, aber seit wir das Höllenportal im Keller nicht mehr mit unschuldigen Nonnen füttern müssen, sondern eine Standleitung installiert haben, hat sich die Produktivität der Marketing Meetings verdoppelt.

“Satan? Was hälst du von einem Assassins Creed AddOn?”

 

Natürlich ist nicht immer alles eitel Sonnenschein im Land der ewigen Finsternis. Gelegentlich unterlaufen auch dem fiesesten Herrscher Fehler, dann gibt es plötzlich gratis DLC oder kostenlose Kostüme. In solchen Fällen ist es wichtig das Gesicht zu wahren. Nur keine Schwäche zeigen. Auf Fragen der Presse, ob dies eine “Abkehr von den Microtransactionen ist”, bleibt man gelassen und verweist auf seine F2P Companion App. Wahlweise kann man es auch als “Games as a Service” betiteln, aber nur, wenn alle echten Programmierer im Urlaub sind und man nur noch Zombie Azubis zur Verfügung hat. “Games as a Service” ist ohnehin nur eine andere Schreibweise für :”Kein Bock gerade, läuft doch?”
Absolute Krönung dieses Konzepts ist natürlich die “Elite” Mitgliedschaft. Diese suggeriert einen gehobenen Status und Zugriff auf exklusive Features. Ist natürlich Unsinn, aber mein Kontostand sieht das anders. Wer allerdings rastet der rostet, so gehe ich stets sicher, die neusten Trends frühzeitig zu erkennen. Zu den goldenen Rockband Zeiten habe ich, zum Beispiel, die Preise der Zusatzhardware subtil nach oben treiben können, indem ich statt Plastik, Elfenbein von Jung Elefanten verwenden ließ. Verdienter Erfolg kommt schließlich von verdienen mit Erfolg.

“Was für ein süßes, kleines Drumset.”

 

Natürlich kennt mein Großmut auch Grenzen, soviel ich mich verausgabe um dem nie zufriedenen Kundenvieh einigermaßen spielbare Software zu kredenzen, so wenig Aufwand betreibe ich, wenn ich unseren neusten Top Titel auf den PC portiere. Manchmal verpacke ich einfach Pac Man neu und verkaufe es als das aktuelle Survival Hammer Game. Kritik beantworte ich mit dem stets griffbereiten Sermon:”Patch ist unterwegs” während ich zeitgleich neuen Content via DLC anbiete. Ein düsteres Imperium muss aber natürlich auch auf unvorhersehbare Eventualitäten vorbereitet sein. Wenn zum Beispiel wirklich mal ein Programmierer stirbt. Durch einige, durchaus menschenverachtende, Experimente, haben wir unter anderem feststellen können, dass menschliches Fett und Knochenmehl eine hervorragende Grundlage für die Produktion von Funko Pops darstellt. Ironischerweise erklärt dies die toten Augen der beliebten Mannskinder Figuren. Vermutlich würden die Verwandten des Ex Programmierers/Tony Stark Funko Pops es spüren, wenn man mit einer Nadel in die Figur sticht. Interessanter Gedankengang, vielleicht sollten wir in diese Richtung investieren. “Hell for the Players” wie es schon unser Firmengründer zu sagen pflegte, später haben wir aus Marketinggründen das “Hell” weggelassen. Klang etwas subtiler.

“Die letzte Weihnachtsfeier geriet etwas aus den Fugen.”

 

Am Ende eines langen Tages, lasse ich dann Ruhe einkehren und werde wehmütig. Manchmal lasse ich mich dann dazu hinreißen einen wertvollen Gegenstand in einer Lootbox zu platzieren oder das Durchspielen mit einem neuen, kostenlosen Modus zu belohnen. Ich denke dann an früher, und wie es damals in der Branche lief. Gewöhnlich verfliegen diese Gedanken aber nach dem Spülen und abwischen. Gegen Abend verstümmel ich dann einen Zwanzigjährigen und verkleide ihn als Darth Vader. Den im Herzen bin auch ich ein Nerd und wenn ich schlafe, dann wie ein Baby, weil Euer Geld mich so herrlich sanft bettet. Für Videospiele habe ich leider keine Zeit mehr, ausserdem sind mir moralische Entscheidungen zu unlogisch. Angeblich haben viele Spiele heutzutage “Gute” Enden, vermutlich bedeutet das, dass man am Ende Arm ist und Freunde hat.

 

Ich sag ja: Unlogisch.

Über BoB

BoB
BoB lebt in Bremerhaven unter einer Brücke zusammen mit einer Familie Waschbären, seiner Lektorin Somiaa und einem toten Junkie, Liebevoll "Uwe" genannt. Alle beteiligten mögen: Lesen,Reiten und Lesen.

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2 Kommentare

  1. s4scha

    Ich wusste schon immer, dass du das Mastermind hinter Shadow of War bist! Niemand sonst könnte derart skrupellos sein!

    • BoB

      Das wäre selbst für mich zu diabolisch. Das war mein böser, siamesischer Zwilling Hugo. Man erkennt, dass er der böse Zwilling ist, weil er links die Trennungsnarbe hat.

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