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Review: Absolver – Eine Maske erzählt uns mehr als ein Gesicht

Das französische Studio Sloclap und Gewinner der E3 Devolver Digital liefern mit Absolver ihren Beitrag zur vielfältigen Welt der PvP-Spiele, welches mit nur einem Spielmodus punkten will. Ob ihm das gelingt, erfahrt ihr im Test auf Amazingnerds.de.

Es ist wunderbar … verwüstet?
In Absolver reisen wir in eine Welt, die man nur schwer in Worte fassen kann. Eigentlich sind wir nur ein Aspirant in einer Kampfschule, bis unser Meister der Meinung ist, dass wir bereit sind uns größeren Herausforderungen zu stellen. Dort befinden wir uns dann umgeben von anderen “Absolvern”, so heißen die Auserwählten, welche ihre Stärke unter Beweis stellen sollen. Unsere Aufgabe, so scheint es, der Stärkste von allen zu werden und die einzelnen Bosse zu besiegen.

Das war es dann aber auch schon mit den Worten, denn die Story wird, wenn überhaupt, nur in zwei Cutscenes (am Anfang und Ende) sowie mit zwei, drei Dialogen dargelegt. Ein wenig Schade, bietet diese ästhetisch wunderbare Welt doch so viele Möglichkeiten und macht definitiv Lust auf mehr. Anders als in beispielsweise Dark Souls oder Brothers:A Tale of Two Sons, ist dieser karge beziehungsweise indirekte Erzählstil leider kein Designelement von Absolver sondern schlichtweg ein Fehlen von Inhalt.

Vom Regen in die Traufe

Es gibt ein großes Problem mit der Geschichte von Absolver und das ist eine Schande. Aber eigentlich ist das nicht so wichtig, könnte man meinen, da es ja ein grundsätzliches PvP-Spiel ist und man keine Story braucht – sehe ich persönlich anders, aber geben wir den Entwicklern den Punkt.

Nun die Frage was das Spiel sein möchte. Ein PvP-Spiel mit PvE und einem Rollenspiel Overlay und einer offenen Welt. Interessante Mischung, dass auf dem Papier, seit der ersten Ankündigung, nichts an seiner Faszination verloren hat.

Auch jetzt nach der Veröffentlichung kann ich sagen, es hat an seiner Einzigartigkeit nur gewonnen. Denn hinter dem dem Spiel versteckt sich eben das, was ich erwartet hatte. Manchmal Multiplayer, manchmal Solo, Exploration aber nicht zu viel, RPG aber nicht zu viel und so weiter. Also nicht nur blanker PvP, sondern Absolver bietet auch ein Solo-Abenteuer, welches ihr wahlweise auch mit Freunden erleben könnt. Sobald dort aber der letzte Boss im Dreck liegt, wird sich aber dem Kernelement des Spiels zugewandt: PvP.

Sobald man an diesem Punkt angekommen ist merkte ich zwei Dinge. Erstens; das Solo-Abenteuer war ein einziger langer Tutorial-Level. Zweitens; verdammt ist das unbalanced.

Der Titel aus dem Hause Sloclap konzentriert sich auf Kampfkünste. Soweit bekannt. Am Anfang könnt ihr das Abenteuer mit drei verschiedenen Stilen beginnen, mit welchen ihr entweder Angriffe blockiert, sie absorbiert oder ausweicht. Soweit so gut. Neue Attacken erlernen wir dadurch, dass wir von anderen Spielern, oder Npcs,  angegriffen werden und diesen mit unser jeweiligen Stance blocken/absorbieren/ausweichen. Diese Stile und Attacken werden dann in ein Kampf  “Deck” gepackt und bestimmen die anwendbaren Moves in einer Kampfsituation. Das zu Gilden/Clans analoge System der Schulen kann außerdem dazu verwendet werden seine Schüler mit Techniken und Decks auszustatten. Durchaus mit eine der besten Ideen in dem Spiel.

Nach dem man Jin erledigt hat, ein NPC der an zwei Punkten in der Welt auftauchen kann, lernt man auch zum ersten Mal eine neue Kampftechnik, welche man gerne als “Drunkenstyle” zusammenfasst, da man darin wie ein betrunkener herumtorkelt und meistens, wie eben ein Betrunkener, halb tänzelnd – halb fallend, dem Gegner ins Gesicht springt. In zukünftigen Updates sollen aber noch mehr Kampftechniken kommen, welche dann weitere Abwechslung ins Spiel bringen sollen.

Da sind wir aber auch schon bei einem großen Problem, denn der Drunkenstyle ist den drei Anfangsstilen bei weiten überlegen, so zumindest meine Einschätzung, was das Spiel gerade jetzt, nur auf eine Sache wirklich reduziert und der Abwechslung immens schadet, was nicht zuletzt für das ungute Gefühl im Magen sorgt, dass es absolut unbalanced ist.

Wohltuende Tristesse

Wie schon eingangs gesagt, das Setting vermittelt eine wüste, fast postapokalyptische Stimmung und sieht dabei unglaublich gut aus. Grafisch passt sich der minimale, lowpoly-esque Stil nicht nur hervorragend an das Setting, sondern auch an das Gameplay an sich an. Sowohl die Umgebung als auch Animationen sind großteils gut lesbar und gleichzeitig eine Augenweide. Obwohl auf den ersten Anblick etwas widersprüchlich, verleiht die Ruhe des Art und Sound Designs dem Spiel einen einzigartigen, fast meditativen flow.

Auch die Charaktere sehen mit den verschiedenen Gewandungen und Rüstungen, welche man im Spiel finden kann sehr stilsicher aus. Designtechnisch kann man Absolver nichts vorwerfen. Lediglich die Auswahl an Loot könnte man zu Release bemängeln, da sich die meisten Spieler doch sehr ähnlich sehen.

 

Es hagelt Fäuste

Nun, kommen wir zum Herzstück des Spiels: das Gameplay. Absolver ist ein reines Kampfspiel. Dabei spreche ich aber nicht von einem Beat’em Up, oder einem Prügelspiel àla Street Fighter, sondern von einem richtigen Martial Arts Kampfspiel und es unglaublich beeindruckend wie das französische Studio etwas so detailliertes haben erschaffen können.

Wir haben eine große Palette an Angriffen, Bewegungen und die Beherrschung des Charakters ist natürlich eine Grundvoraussetzung das Spiel in irgendeiner Form genießen zu können. Unser Charakter hat vier Haltungen in denen er steht, daraufhin können wir Kombos aufbauen, Ketten erstellen, und starke Attacken ausführen, und leichte Attacken, und ausweichen, und … ihr merkt wo das hingeht. Es ist sehr, sehr detailliert und kompliziert. Außerdem können wir Waffen und Skills einsetzen. Jeder Treffer wirkt anders, ist von diversen Stancen abhängig und muss ähnlich wie auch bei For Honor von der richtigen Seite aus geblockt werden.

Lieben oder hassen: die Kämpfe verlassen sich stark auf die Tatsache, dass man die Reflexe eines jungen Gottes und so ziemlich alle Angriffe und Bewegungen auswendig gelernt hat. Umso größer ist dafür der Lerneffekt.

Lehren der Schule des Jens

“Die untergehende Sonne wird auch morgen wiederkommen …. es sei denn wir sind betrunken und haben einen abgefuckten Tagesrhythmus”

Absolver ist nett. Die Steuerung ist meiner Meinung nach nicht im geringsten intuitiv und auch der PvP-Charakter steht dem Spiel aufgrund seiner unausgewogenen Art gar nicht bzw. nur bedingt. Lieber würde ich mir da noch einen größeren Story-Teil wünschen, der diese wunderbare Welt mehr ins Licht rückt.

Wer aber auf knallharte, und ich meine knallharte, Gameplay Elemente steht, welche viel vom Balancing abhängig sind und sich gerne von nur einem Stil die ganze Zeit kaputt machen lassen will, dem empfehle ich Absolver. Doch um das in Perspektive zu stellen, ich mag Dark Souls, ich mag es kaputt gemacht zu werden, doch Absolver war mehrere Level über dem, was ich in einem Spiel suche, nicht zuletzt wegen dem PvP, welches sich unbalanced anfühlt.

Dogmen aus Dersers Dojo

“Wenn du weist, was dich erwartet, kann dir wenig passieren. Außer vielleicht ein technisches Totalausfall”

Für das was Absolver momentan ist, fällt es mir schwer eine klare Kaufempfehlung auszusprechen. Technische probleme machten es mir leider bis Heute (Stand: Eine Woche nach Release) unmöglich am PvP teilzunehmen, ohne zuvor jemandem per Steam Friendlist gejoined zu sein und teilweise lässt sich das Spiel gar nicht erst starten. Der Singleplayer ist mit Release nicht viel mehr als ein glorifiziertes Tutorial, welches nur bedingt im Coop funktioniert, aber dennoch ein paar Stunden Unterhaltung bringt.

Wer allerdings auf visuell ansprechende Kämpfe in Wunderbarer Umgebung und, im Gegensatz zu Genre-Kollegen, vergleichsweise ruhige Atmosphäre steht, könnte für den Einstiegspreis von 30€ durchaus auf seine Martial Arts Kosten kommen. Vor allem mit dem Hinblick auf angekündigten post-launch Content. Es sollte jedoch klar sein, dass sich der derzeit verfügbare Content quasi zu 95% auf 1VS1 PvP beschränkt.

 

Über Derser

Derser
Mir reicht es nicht Musik, Film, oder Spiel zu konsumieren.Ich will erleben, eintauchen, verstehen.Deswegen ist es wohl wenig verwunderlich, dass ich mich selbst als Game Developer, Musiker, und Schreiber versuche. Über die Qualität lässt sich zwar streiten aber Spaß macht es mir allemal.

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2 Kommentare

  1. Crystal.T.V

    Was der Trailer verrät : Sieht interessant aus 🙂

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