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Capcom. For a better World.

Der erste Tag bei einer neuen Firma ist niemals leicht, ausser die Firma heißt Capcom. Als CEO von Capcom, die Stelle habe ich übrigens über ein Rubbellos gewonnen, erwarten mich wenige Pflichten und viele Rechte.

“Jackpot!”

 

Mein erster Tag beginnt, wie soviele noch kommende Tage, mit einem Meeting. Es werden Mettbrötchen gereicht und der erste Punkt auf der Roadmap ist: “Welche Franchise ignorieren wir heute?” Ganz oben auf der Liste steht Mega Man, dicht gefolgt von Final Fight und Devil May Cry. Gewöhnlich findet sich auf der Liste auch Capcom Vs, allerdings erscheint Marvel Vs Capcom Infinite demnächst, derowegen wurde dieser Punkt gestrichen. Nachdem man sich drauf geeinigt hatte, Miga Män weiterhin als Anthologie zu vermarkten und falsch zu schreiben, lachte man einmal herzlich über Final Fight, vergaß das Devil May Cry existiert und leugnete eine halbe Stunde, dass Dragons Dogma jemals releast wurde. Anschließend wurde zum fröhlichen Onanieren auf den Erfolg von Resident Evil eingeladen. Ein Blick in die Runde verriet mir alles, was ich über meine Kollegen wissen musste: Eierlose Mikropenise soweit das Auge reicht.

“Fairerweise muss man sagen, dass es nicht auf die Größe des Hammers ankommt, sondern wie man mit ihm nagelt.”

 

Als nächstes Stand ein Rundgang durch die Firma auf dem Plan. Die Tour beginnt in der Marketing Abteilung. Die Tür wird von einem Motivationsposter mit den Worten “We Do it” geziert. Im Büro des PR Verantwortlichen hängt ein Kadaver an der obszön großen Deckenlampe. Bei der Leiche scheint es sich um den Pressesprecher von Capcom zu handeln, auf meine Frage: Warum dieser dort hing und ob man ihn nicht wenigstens mal abstauben könnte, lacht mein Betriebsratkollege. Auf dem Schreibtisch des Pressesprechers liegt ein Pamphlet über MvC Infinite’s Charakter Auswahl, welches mit Blut, Tränen und Urin gesprenkelt zu sein scheint. Der Rest der Marketing Abteilung besteht aus einer ausgedörrten Topfpflanze, einem verwirrt dreinblickenden Papageien und einem sehr traurigen, sehr stillen Japaner. Ich bin entsetzt. Wozu braucht der Papagei denn bei dem Arbeitsaufkommen den traurigen Kollegen? Da weht ein eiskalter Wind durch den Arbeitsvertrag. Sofort rationalisiere ich den Japaner weg und ernenne die Topfpflanze zum Abteilungsleiter.

Bevor wir zum Publishing Bereich gelangen, wird uns ein Glas Sekt sowie ein halbes Kilo Chile Clear Kokain gereicht. Der Grund für die außerplanmäßig Betriebsfeier sind die Verkaufszahlen von “Ultra Streetfighter 2 – The Final Challengers Hyper Edition” auf der Switch. Ein Port der, meines Wissens nach, in zweitägiger Heimarbeit durch den Hausmeister erstellt wurde. Gerüchten zufolge hatte besagter Hausmeister bei der Programmierung des “Way of the Hado” Modi einen Hamster und drei Samsung Handys zur Perfektionierung der Bewegungssteuerung benutzt. Zusätzlich hatte die Aussage der Marketing Abteilung:”Capcom knüpft ihren Support für die Switch an die Ultra SF Verkäufe.” Früchte getragen. Diese Früchte waren derart prall, dass sich Ultra SF sogar besser verkauft hatte als Street Fighter 5. Sofort veranlasste ich, dass man von nun an immer mit Erpressung in den Pressemitteilungen arbeiten sollte, zwecks Gewinnoptimierung. Donnernder Applaus umhüllte mich.

BoB – Die erste Million ist immer Gratis.

 

In der Publishing Abteilung angekommen, zeigt man mir, auf meinen persönlichen Wunsch, zuerst den hauseigenen Übersetzer für Monster Hunter. Dieser bescheidene Mann in den Neunzigern tippt mit einer gottgegebenen Gelassenheit, und mit nur einem kreisenden Zeigefinger, auf einer alten Royal Schreibmaschine und übersetzte gewissenhaft jedes Kanji in verständliches Deutsch. Auf dem “erledigt” Haufen lagen ganze Drei Seiten, während unter dem “Zu erledigen” Haufen eine zu Tode gequetschte Ratte dahin schimmelte. Wieder sprang mein Geschäftssinn an, wie ein Tiger ein zurückgebliebenes Kleinkind anspringen würde. Ich ließ die Ratte umgehend in die Kantine transportieren und rief zeitgleich den “Ratatouille Donnerstag” ins Leben. Die Abteilung selbst, setzte sich aus 80% Monster Hunter Fanartikeln, 10% Street Fighter Pappaufstellern und 10% Resident Evil Chris Redfield Sex Toys zusammen. Die Büro Nischen wurden von nervösen Japanern bewohnt, die ganz entschieden nicht arbeiteten, sondern nur um den, mit Sake gefüllten, Wasserspender herumlungerten. Gerade wollte ich zu einer Entlassungswelle ansetzen, als meine Aufmerksamkeit von einem tanzenden Laserpointer abgelenkt wurde. Mein Kollege gab mir auf diesem Weg zu verstehen, dass wir unsere Tour fortsetzen müssen. Ich stellte den Becher Sake, von dem ich nicht genau wusste wie er in meiner Hand gelangt ist, ab und folgte meinem flanierenden Führer in die nächste Abteilung.

 

Endlich im Herz des Konzerns angekommen! Die Programmierung und Ideenschmiede. Ich ließ meinen Blick wohlwollend über die Räumlichkeiten schweifen. Vor einem Flipchart stand ein Schimpanse, welcher den zuvor genannten Chart, auf welchen bei genauerer Betrachtung, “Street Fighter 5 Konzeption” stand, mit wachsender Begeisterung mit Kot bewarf. Einige Kack Kleckse ergaben dabei die Silhouetten von Personen und lieferten dem Grafiker, der den Schimpansen aufmerksam beobachtete, Inspiration für zukünftige Charakter Designs. Man konnte die kreative Energie an diesem Ort beinahe schmecken. An einem anderen Schreibtisch tippte ein gedrungen wirkender Angestellter, wie im Wahn, auf seiner Tastatur. Im vorbeigehen konnte ich einen Blick auf seinen Monitor erhaschen. Zu meiner Überraschung war dieser ausgeschaltet, vermutlich um Strom zu sparen. Nicht unweit war das Treiben nicht weniger rege. Ein Kollege schrieb ununterbrochen kleine Post-it Memos auf denen stand: “Resident Evil 2 Remake entwickeln” während er dabei von einem anderen Kollegen, welcher sich wild auf seinem Bürostuhl drehte, mit Papierkügelchen bespuckt wurde. In einer Ecke verkündete ein Schild “Story writing Abteilung. Bitte nicht stören!” Hinter dem Schild stand ein Schreibtisch und hinter dem Schreibtisch saß ein offensichtlich betrunkener Obdachloser, der aggressiv und vehement auf eine Tastatur einprügelte. Neben ihm spuckte ein Drucker Seite um Seite an narrativer Genialität aus. Unter der Überschrift “Resident Evil 7 DLC” fand sich eine lange Hasstriade gegen eine Ex-Frau namens Susi, gefolgt von mehreren Seiten über die Gefahr von Aluminium in Deodorants.

“Sie sollten mal sein Drehbuch über die Genozide in Dafur lesen.”

 

Die Tour endete in meinem Büro. Sofort fielen mir die gepolsterten Wände und das Fehlen sämtlichen Mobiliars auf. Sogar das Fenster war vergittert. Ich setzte mich in die Mitte des Raums und machte es mir gemütlich.  Währenddessen ging mein Kollege richtung Tür, um sie anschließend von aussen zu schließen. Ich hörte noch das Einrasten eines Sicherheitsschlosses bevor mich Stille umfing. Sofort begann ich mit der Arbeit, indem ich aus Popeln eine Figur von Dante, für die Special Edition von Devil May Cry, modellierte. Diese würde ich anstelle des Spiels in die Special Edition packen. Nicht umsonst ist Capcom der Konkurrenz immer um eine Nasenlänge voraus.

Über BoB

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BoB lebt in Bremerhaven unter einer Brücke zusammen mit einer Familie Waschbären, seiner Lektorin Somiaa und einem toten Junkie, Liebevoll "Uwe" genannt. Alle beteiligten mögen: Lesen,Reiten und Lesen.

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7 Kommentare

  1. Funky Geschreibsel! Find ich wirklich gut. Nur was ich mich frage ist: Was verlangst Du oder die ganze Videospielszene denn von Capcom oder den anderen Spieleschmieden? Dass sie gut ihre ARBEIT machen? Das machen sie eventuell auch genauso gut wie der Bäcker von nebenan . Der kredenzt Dir die Brötchen(bayerisch Semmel) morgen auch nicht auf einmal in anderer Form, Geschmack oder Farbe. Was natürlich toll wäre, ist, wenn da auf einmal jemand einen kreativen Geistesblitz hätte oder sie einen neuen Mitarbeiter bekommen würden , der neue super Ideen in petto hätte. Aber Kreativität etc. kann man eben nicht einfach mal so aus dem Ärmel schütteln oder kopieren. SF2 , Mega Man und CO sehe ich in ihrer Gänze eigentlich schon auch eher als KUNSTwerke an, was die Sache auch nicht einfacher macht…

    • BoB

      Ich finde schön, dass du ARBEIT und KUNST groß geschrieben hast.
      Was man von Capcom verlangt ist gerade im Moment sehr einfach zu sagen: Bitte stellt ein Spiel fertig bevor ihr es veröffentlicht (Street Fighter 5), bezeichnet Fan Lieblinge nicht als Funktionen, die man beliebig auswechseln kann ohne damit Fans zu vergraulen (Marvel Vs. Capcom) und stampft nicht einfach bereits bezahlte Software einfach ein (Resi7 DLC)
      Um das Bäcker Beispiel zu bemühen: Bitte benutze Mehl, wenn du ein Brötchen backst. Bitte ersetze Körner nicht durch Holzspäne, nur weil sie gleich aussehen und Bitte Gib mir mein Brötchen, wenn ich dafür bezahl, anstatt es in den Müll zu werfen. ;^)

  2. Crystal.T.V

    Hat Müller-Milchreis wieder ein Gewinnspiel eröffnet? Ein sehr hoher Gewinnpreis, 3x CEO von berühmten Marken.

    • BoB

      Wenn die Müller Milch muht, macht es dich zum Chef von Konami. Wobei DAS mehr Pech als Glück wäre.

  3. Alzander

    Ich hatte sehr viel Spaß beim lesen, danke dafür. Die Kiritik kommt sehr gut zum Vorschein.
    Ach ja…was würde ich für ein umfangreiches Mega Man Sequel geben…träum weiter.

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