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Jennifer Lawrence und die Blockbuster: Mord ist geil

Meine Freundin hat ein Problem mit Jennifer Lawrence. Nun habe ich ein Problem mit meiner Freundin oder soll ich sagen: Ex-Freundin?

Nur Spaß. Ich verlasse meine Freundin nicht für eine Schauspielerin. Höchstens für einen Schauspieler, Jon Hamm nämlich. Wenn ich ihn sehe, wird mein Intimbereich zum Wasserfall.

Weil ich Jennifer Lawrence nicht so sehr, aber schon doll mag, würde meine Freundin, wenn sie Jennifer Lawrence je träfe, vermutlich ins Gesicht treten. Aber so sehr mag ich sie dann doch nicht, also Jennifer, weil die dann doch mal Filme dreht, die ein bisschen eklig sind. Passengers zum Beispiel.

Der ist so fragwürdig wie ein Priester im Kindergarten. Chris Pratt nämlich, der einst Dicke, jetzt Gestählte, aber immer Doofguckende, spielt an Lawrences Seite. Er weckt sie sogar auf, was in der Geschichte des Films einem Mord gleicht. Sie bumst ihn dann. Mehrmals. Sie schenkt ihm sogar Bacon. Natürlich nur solange, bis sie erfährt, wo Chris Pratt seinen Anstand verstaut: im Hoden. Ficken wollte er, mehr nicht. Für die folgenden Minuten entwickelt sich Passengers zu einem im Ansatz interessanten Film, weil er ethische Fragen nicht nur fahrig in den Raum hereinruft, sondern gleich mit der Formulierung einer Antwort beginnt. Zuschauer interessieren sich oft ja gar nicht dafür: Moral, Ethik, Ideologie. Dabei verzapfen gerade Blockbuster-Regisseure und Hobby-Psychophaten wie Mel Gibson solch unverschämte Fragwürdigkeiten, die der Nazigruppe aus Bautzen am meisten gefallen. Hashtag IchbinjagegenMordaber. Na ja, Kunstfreiheit heißt das dann wohl. Oder wie ich das nenne: Idiotie.

Nach 15 Minuten ändert Passengers wieder seine Richtung. Viel explodiert oder ist zumindest kurz davor. Mord wird offen relativiert. Macht nix, ist ja nur ein Film, ein Blockbuster noch dazu, hier interessieren nur die Namen auf dem Plakat. Wer ohnehin nicht viel denkt, merkt die Menschenverachtung in Passengers nicht. Da jubelt man dem Raumschiffdesign oder ein paar witzigen Sprüchen zu. Wünscht sich ein Baby mit Chris Pratt oder seine Muskeln oder sein Durchschnittslächeln mit der Ausstrahlung von Tschernobyl.

Vielleicht ist Ideologiekritik gestorben, als Autoren und Filmemacher überzeugt davon waren, dass Kinder und Jugendliche in faschistoiden Staaten scharenweise andere Kinder und Jugendliche zum Taschengeldausgeben bewegen sollen. Und selbst der vom Publikum zum Gottkanzler ernannte Christopher Nolan zelebriert in The Dark Knight Rises seine konservativen Ansichten ohne konsequentes Aufzeigen jener Finanzkrisen-Metaphern durch seine Fans oder Filmjournalisten. Im Vergleich zu solch harmlosen Verweisen marschiert dagegen Hacksaw Ridge mit Hakenkreuz-Bibel durch die Lobeshymnen der Oscar-Jury und Filmfreaks und gibt dabei jedem ein schmatzendes High-Five – immer schön mit der Rechten.

Schon lange war das Blockbuster-Kino nicht mehr so im Arsch, gebaut auf Fortsetzungen, Buchadaptionen und Comicgewichse. Da unterhält allenfalls noch die Prostitution ehemaliger Indie-Regisseure, die so regelmäßig wie der Stuhlgang ihre Prinzipien über Bord werfen, damit ihr Name an einer Marke klebt, die nichts, aber auch gar nichts mit Qualität zu tun hat. Nach dem verheizten Blockbuster ist vor dem Einzug bei Mama. Linsensuppe als Mittagessen, aber draufgeschissen, ich war ein geiler Marvelboy.

Reden wir lieber wieder über meine Beziehung, das ist viel wichtiger. Wenn also Jennifer Lawrence solche Filme dreht, so einen mit Schauwerten ausgestatteten, aber vor allem mit Leere geschmückten Einheitsbrei, solange sie neben Meisterwerken wie Silver Linings auch nur mal schnell die Geldbörse pushen will, muss sich niemand um meinen Beziehungsstatus sorgen.

Es sei denn, sie dreht einen Film mit Jon Hamm. Dann haben wir ein Problem.

Über Jannick

Jannick
Seit 10 Jahren schreibe ich über so Dinge. Damit verdiene ich übrigens auch mein Geld. Viel ist es nicht, aber manchmal reicht es für sehr legale Substanzen, die ihr meinen Artikeln anmerken werdet. Und was noch so? Seit über acht Jahren spiele ich Theater, bin Autor eines Theaterstückes und stand auch schon in Russland auf der Bühne. St. Petersburg, ey, was für eine Stadt. Jedenfalls: Ich mag Filme und Videospiele und hoffe, irgendeine Sau liest das hier endlich.

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Hinweis: Der folgende Artikel bezieht sich auf die, in Deutschland legal zu erwerbende, geschnittene Fassung …

2 Kommentare

  1. BoB

    Man hätte, denke ich, Passengers etwas mutig angehen können. Auch finde ich Lawrence Fischbrannt als Deux Ex Machina im klassischen “Ups, die Handlung lahmt. Holt einen Erklärbären ins Script.” etwas zu Jeff Goldblumig. Was ich mit mutiger meine ist: Jennifer hätte ruhig mal ein paar Jahre schmollen können, an der zweisamen Einsamkeit zerbrechen, um am Ende vielleicht selbst vor einer der Cryokammern zu stehen und sich zu fragen: “Was wenn ich…..” nur um sich dann dagegen zu entscheiden.
    Auf diese Art, moralisch überlegen aber menschlich gebrochen, könnte sie dann an die Seite von Pratt zurückkehren. Quasi als Preis für die Integrität, muss sie ihr Dasein mit ihrem “Mörder” verbringen und das Beste drauss machen. Ein bisschen 1984.

    Am Ende könnte dann die erwachende Crew einen erhängten Pratt am Baum im Atrium finden, unter dem Baum das Grab von Jennifer.

    Jetzt mal geschwind aus den Fingern gesogen, aber ein düsteres Ende mit eine Implikation von Leid und Elend hätte, für mich, besser funktioniert.

  2. Ducon

    In Passengers stecken zwei verschiedene Filme, die zusammen einfach Sinn ergeben können. Die Romanze kann nicht funktionieren, wenn der Protagonist vorher dem Love Interest das Leben ruiniert. Im Fall von Passengers im buchstäblichen Sinne. Chris Pratt kann nur Peter Quill, der alles nicht so ernst nimmt, vor allem aber in den wichtigen Schlüsselszenen nicht erst sein kann. Chris Pratt sah in Passengers immer so aus, als wäre alles gleichgültig und lächerlich. Dass Jennifer Lawrence es raus findet, dass er sie aufgeweckt hat, war von Anfang an klar und die Szene wirkte für mich nur wie einfaches Abarbeiten einer To-Do-List. Joy habe ich nicht gesehen, aber ansonsten hatte sie mMn seit American Hustle keine interessanten Rollen mehr, was sehr schade ist.

    Wie immer vielen Dank für den Artikel, diese bereichern die Seite sehr!

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