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Nerdrage !V Kritik am kritisieren

Das Leben könnte so schön sein. Ist es aber nicht! Es ist das schlechteste Leben aller Zeiten. Generell ist alles entweder Mittelmaß oder überbewertet. Es ist, wie man sagt:”Jeder ist ein Kritiker.”

“Anthem… klingt mir eher nach Can’them *Schnaub*”

 

Kritisch sein bietet den Nimbus der Expertise. Loben zeugt nur von Naivität oder Kleingeistigkeit. Egal was ein Hersteller vorstellt, es finden sich ausreichend Kritiker, von eigenen Gnaden, um der Welt die Schwächen des Produkts aufzuzeigen. Negativität macht Kasse, weil wir uns über die Sprengung eines Gebäudes mehr freuen als über dessen Errichtung. Das größte Lob ist oft, dass man nichts zu meckern hat. Das “Problem” ist natürlich, dass die Kritik eine Existenzberechtigung hat. Man muss Zustände kritisieren, genau wie Medien oder Produkte, weil aber die Anzahl der Meinungen so inflationär im Internet genutzt werden, verliert die Einzelmeinung gegen den Konsens. Zum Beispiel: Sonic ist immer schlecht. War er schon immer. Es gibt kein gutes Sonic Spiel, und wenn es doch mal eines gibt, dauert es nicht lange bis sich auch dieses als mittelmäßig offenbart. Es gibt auch keine gute E3, sondern nur eine schlimmere als letztes Jahr. Hat man diese Meinung einmal gefasst, muss man sich dann auch nicht mehr mit dem Thema abgeben. Man hat schließlich schon aufgrund eigener Selbstherrlichkeit deklariert warum man dieses Jahr nichts mehr spielen muss. Schließlich ist alles uninteressant. Das schützt dann ganz nebenbei noch vor dem gefürchteten Revidieren der eigenen, hochgeschätzten, Meinung.

 

Vielleicht fällt dir, werter Leser, auf, dass ich die Schnauze voll von dieser Mentalität habe. Eine über Jahre gezüchtet, künstliche Selbstwahrnehmung in der man sich selbst als der Einzige sieht, der die Wahrheit erkennt. Der große Aufklärer. Der Weisheit letzter Schluss. Wie soll man diese haltlose und bodenlose Selbstüberschätzung noch ernst nehmen? Gar nicht. Liest man einen Text, der bewusst provozieren will oder nur auf der blumigen Ausdrucksweise basierten Nonsense zum Inhalt hat, ist es am besten, besagten Text zu ignorieren. Das gilt für meine Beiträge genauso wie für die Kolumnen renommierter Kollegen. Das ist der eigentliche Konsens des Internets. Es gibt genug Artikel mit Tausenden, ja Millionen Klicks unter denen sich dann “nur” 5000+ Kommentare finden. Warum? Weil die Mehrheit der Leser drauf scheissen was der Autor denkt, jedenfalls wenn diese Leser die Meinung des Autors nicht teilen. Diese Leser denken sich dann vermutlich:”Stirb dumm” bevor sie zum nächsten Inhalt ihrer Wahl surfen. Die laute Minderheit, die die Diskussion oder den Streit sucht, ist im Gesamtbild irrelevant. Womit man dieses Ignorieren nicht verwechseln sollte, ist Engstirnigkeit oder gar Fanboytum. Wenn die Mehrheit deine Meinung nicht teilt, kann es tatsächlich sein, dass du einen beschissenen Artikel geschrieben hast oder das deine Meinung falsch ist. Sowas wie falsche Meinungen gibt es nämlich, deshalb stell ich auch Sicherheitsnetze in meinen Beiträgen auf, wie zum Beispiel:”Meiner Meinung nach, ich denke, persönlich finde ich.” Auf der einen Seite willst du sowas nicht schreiben, weil es deine Argumente verwässert, auf der anderen Seite benutzt man diese Phrasen um vielleicht nicht gleich die gesamte Menschheit zu beleidigen. Für mich persönlich (Da, schon wieder) ist es mehr ein Ausdruck der eigenen Fehlbarkeit. Es käme mir arrogant vor, ” Das ist so.” zu sagen anstatt, “Nach meinem momentanen Wissensstand scheint es so.” Ist ein persönliches Problem, welches mich daran hindert in den Olymp des kontroversen Clickbaits aufzusteigen.

“Ah… Der Clickbait Olymp, welche Wunder du sehen wirst.”

 

Was mich abschließend zu meinem Hauptproblem dieser allgemeinen Negativität in Bezug auf das Hobby bringt: Etwas zerreißen ist mir zu simpel. Natürlich macht es Spaß zu grummeln und zu meckern. Mir kommt es allerdings so vor als gäbe es ein Ungleichgewicht in sprachlicher Hinsicht. Gefällt uns etwas halten wir die Wortwahl minimalistisch, vielleicht sogar poetisch, selten aber unterhaltend. In der Kritik sprudeln hingegen dutzende Vergleiche und farbenfrohe Schimpfworte aus uns heraus. Dieser Wasserfall an Diarrhö ist ungleich witziger als sein gutgelaunter Konterpart. Als jemand der schreibt, ist man dem Leser verpflichtet. Als jemand der kritisiert, ebenso. Man ist allerdings nur sich selbst verpflichtet, wenn es darum geht wie man wahrgenommen wird. Möchte man als geistreicher, erwachsener Fachmann wahrgenommen werden, sollte man sich allerdings bemühen sich herauszufordern, anstatt zutun was gut funktioniert. Im Sumpf der negativen Kritik gibt es nämlich schon genug Moorleichen. Da kann man sich gut hinter anderen Meinungen verstecken. Die positive Kritik allerdings, erscheint mir als die aufwendigere und aufrichtigere. Es ist nämlich ungleich schwerer die guten Momente aus einem Spiel zu filtern, als sich hinzusetzen und “professionellen” Zynismus zu betreiben. Das erstere bedarf einem Auge für Details, dass andere nur die Teilnahme am freien Kunst LK einer beliebigen Hochschule. Nicht jeder Kritiker will durch Negativität Aufmerksamkeit erregen, das sollte ausser Frage stehen, manche wollen nur die Wahrheit sagen. In der heutigen Zeit ist Negativität allerdings ein rentables Geschäft. Dieser Umstand zieht zwangsläufig den Abschaum an, der das schnelle Geld riecht und beiläufig den Brunnen der journalistischen Integrität vergiftet.

“Vanquish 3/10. “

 

War dies der schlechteste Beitrag aller Zeiten? Vermutlich. Oder bist du, werter Leser, der Meinung, dass die Kritiker heutzutage die schlechtesten sind, die es jemals gab? Deine Meinung ist wichtig, so wichtig, dass sie einen eigenen Bereich nur für sich hat.

Über BoB

BoB
BoB lebt in Bremerhaven unter einer Brücke zusammen mit einer Familie Waschbären, seiner Lektorin Somiaa und einem toten Junkie, Liebevoll "Uwe" genannt. Alle beteiligten mögen: Lesen,Reiten und Lesen.

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8 Kommentare

  1. Weasel455

    Genau! Fuck diese Möchtegernkritik auf Rotten Tomatoes Emoji Movie ist ein Meisterwerk!!!!!!!!!!1!11!111

  2. Murphys_Lawyer
    Murphys_Lawyer

    Ja diese übermäßige Negativität geht mir auch auf den Sack. Aber das gehört wohl auch dazu. Wenn sich Leute durch ein Hobby definieren (und das tun ich Sachen Videogames viele), gibt es auch immer die, die sich selbst durch besonders lautes Schreien über den Durchschnittskonsumenten hinwegheben möchte.

    Ich persönlich nehme mir für mich heraus, auch “objektiv” schlechte Dinge (egal ob jetzt Videospiele, Filme oder sonst was in der heutigen Medienlandschaft) zu genießen, einfach weil ich Bock drauf hab. Bin ich wohl auch nicht allein, weils sonst ja wohl nicht so viele Machetefilme gäbe. 😀 Nur so als Beispiel: Ich hatte furchtbar viel Spaß am Angry Birds Movie.

    Naja jedenfalls: Gut gemacht, stimme dir zu. Habe inzwischen aus den oben stehenden Gründen auch nur noch bedingten Spaß an “Auf ein Bier”, weil mir auch da zu viel Negativität um die Ohren gehaun wird … das kann man mir jetzt gerne als Kleingeistigkeit auslegen und das stimmt vielleicht sogar … aber hey 😉

    • Razyl

      BOAH geht mir deine Negativität am Negativen hier auf den Sack Murphys. Unfassbar!

    • Murphys_Lawyer
      Murphys_Lawyer

      Also diese Einstellung find ich jetzt wirklich nicht sonderlich feng shui von dir… Am besten wir bereden das in unserem nächsten Trommelkreis, mein Freund…

  3. s4scha

    Leider ist das so modern geworden, dass man nach den Ausnahmen suchen muss. Mir fällt da spontan z.B. amazingnerds.de ein wo die ganzen Test immer entweder zu hoch oder zu niedrig ausfallen. Boah, ich hasse die!

    • BoB

      Die sind aber auch eine Bande von reaktionären Bastarden… steht sogar im Impressum.

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